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Mai
27

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Am 27. Mai fand in Köln die BAYER-Hauptversammlung statt. Die HV stand im Zeichen heftiger Proteste. Zusammen mit Umweltorganisationen und Geschädigten vertraten auch wir Imker unsere Interessen. Durch Plakate und Diskussionen wurde im Vorfeld der Versammlung den Aktionären die Schattenseiten der Konzernprofite verdeutlicht. Proteste gegen Pestizide Wir Imker wiesen auf die gefährlichen Pestizide hin, eine […]

Am 27. Mai fand in Köln die BAYER-Hauptversammlung statt. Die HV stand im Zeichen heftiger Proteste. Zusammen mit Umweltorganisationen und Geschädigten vertraten auch wir Imker unsere Interessen.

Durch Plakate und Diskussionen wurde im Vorfeld der Versammlung den Aktionären die Schattenseiten der Konzernprofite verdeutlicht.

Proteste gegen Pestizide

Wir Imker wiesen auf die gefährlichen Pestizide hin, eine Ursache für das immer stärker werdende Bienensterben. Mit viel Rauch aus zahlreichen Smokern verliehen wir unseren Anliegen Nachdruck und waren so nicht zu übersehen.
Neben den Pestiziden ging der hohe Gewinn des Konzerns noch zu Lasten weiterer Themen. So wurde auch gegen gentechnisch verändertes Saatgut, Plastikmüll und Tierversuche protestiert.

Drängende Fragen an den Bayer-Vorstand

In 26 Redebeiträgen kritisierten engagierte Aktionäre das Gebaren der Bayer-Geschäftsleitung. Nachfolgend ein kleiner Auszug aus den Reden, die vom Vorstand antworteten einforderten:

Der Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers ging auf die Fragen der Redner ein. Auf Youtube finden Sie zwei Ausschnitte als die Themen rund um das Bienensterben und Pestizide angesprochen wurde:

Video 1 | Video 2

Meine Fragen an den Vorstand der Bayer AG

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrte Aufsichtsrat,
sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Annette Seehaus-Arnold. Ich spreche als Aktionärin, Imkerin und Kreisvorsitzende der Imker Rhön-Grabfeld.
Meine Imkerkollegen mussten in diesem Winter wieder sehr hohe Verluste an Bienenvölkern hinnehmen. Viele haben sogar alle ihrer Völker verloren, obwohl sie die Empfehlungen zur Bekämpfung der Varroa-Milbe genauestens befolgt haben.
Daher die Frage: Was hat Bayer an Innovationen zum Thema Varroazide in der Produkt-Pipeline? Gibt es Forschungen des Konzerns?
Warum macht Bayer hier keine weiteren Forschungen? Schließlich ist das weltweit ein großer Markt. Oder fährt Bayer eine andere Schiene?
Wie erklären Sie sich die hohen Verluste an Bienenvölkern?

Neonicotinoide stehen bekanntermaßen im Verdacht Probleme bei Bienenvölkern hervorzurufen. Durch das Festhalten an den Neonicotinoiden hat sich Bayer ein Bienenkiller-Image zugezogen. Das öffentliche Ansehen von Bayer ist dadurch angezählt. Wie stehen Sie zukünftig zu den Neonicotinoiden? Wie wird das Imagethema angegangen?

Es wurden angeblich 4,7 Mio Euro allein im Bee-Care-Center investiert. Stimmt diese Zahl?
Was wird eigentlich mit diesem Geld gemacht?
Für was wird das Geld ausgegeben? Für Imkergeschenke? Wie viel wird genau dafür ausgegeben?
Wie sieht es aus, wenn ein Imker über seine toten Bienenvölkern mit diesen Give-Aways in der Presse abgebildet wird? Hier werden Gelder gedankenlos ausgegeben und eine Negativ-Werbung könnte die Folge sein.

Wie steht der Vorstand dazu? Kann das Geld nicht besser in ökologisch sinnvollen und nachhaltigen Forschungen investiert werden?
Die Firma Bayer hat vor zwei Jahren in Aussicht gestellt die Funktionsweise von Ameisensäure erklären zu können. War Bayer hier erfolgreich und hat die Wirkungsweise der Ameisensäure entdeckt?
Nein? … warum immer noch nicht?
Wird hier etwa ein Krisenherd – Varroa-Milbe – künstlich aufrecht zu erhalten, um vom wirklichen Thema, nämlich den Pestiziden, abzulenken?
Warum hat die Bayer bis heute immer noch kein wirksames und somit lukratives Mittel gegen die Varroa-Milbe? Trotz der von Ihnen offensiv beworbenen Varroazide, die bereits seit 20 Jahren auf den Markt sind, gibt es heute keine wirksamen Mittel.
In Australien sind Varroa-Probleme unbekannt; nach Aussage des Konzerns. Trotzdem haben australische Imker Probleme mit dem Bienensterben; vor allem in Bereichen mit intensiver Landwirtschaft. Der Flügel-Deformations-Virus tritt hier signifikant höher auf.
Was würde die Firma Bayer machen, wenn alle Imker Aspirin boykottieren würden? Oder noch schlimmer, auch noch ihre Familien und Kunden Aspirin boykottieren? Hat die Bayer für solche Szenarien Vorkehrungen getroffen?
Stimmt es, dass beim hessischen Freilandversuch – übrigens in unser Nachbarlandkreis – der durch Bayer in Auftrag gegeben wurde, nur 5% Verluste bei den Imkern zu verzeichnen waren?
Bei Nachfragen stellte sich heraus, dass es teilweise höhere Verlusten zu verzeichnen gab, ja sogar Totalverlusten bei einzelnen Imkern. Und das trotz dieser Bayer-Produkte? Wir kommt die Zahl zustande? Wurden hier die höheren Verluste einfach nicht berücksichtigt?
Nach dem Motto – traue keiner Statistik die du nicht selber gefälscht hast? Wie kommen Sie auf diese 5 %?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 


 

Herr Dekkers ging als Vorstandsvorsitzender der Bayer AG auf die einzelnen Fragen ein. Im Video 2 (zu sehen auf YouTube) sehen sie seine Anworten.

Meine persönlichen Anmerkungen zur Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers (Bayer AG)

Bayer kann die hohen Verluste nicht erklären. Sie können also auch nicht ausschließen, dass Pestizide die wahren Verursacher sind. Mehrfach wurde von den Firmenvertretern betont: bei richtiger Anwendung und Dosierung sind Neonics „bienensicher“ halten. Das bedeutet, dass sehr wohl bekannt ist, dass es Fehlanwendungen gibt, und nach meiner persönlichen Meinung nicht gerade unerhebliche. Ansonsten würden sie es nicht so betonen.
Eigentlich gibt es schon genügend Varroa-Mittel. Es ist keine Lösung, ein weiteres Mittel auf den Markt zu werfen. Hier wird von der „wahren“ Ursache abgelenkt. Warum sind unsere Bienen nicht mehr so widerstandsfähig? Das ist das Problem. Jeder kennt es von sich selbst: Bin ich gesundheitlich angeschlagen, z.B. durch Stress etc., bin ich anfälliger für einen grippalen Infekt.

Forschung Ameisensäure
Nachdem die Ergebnisse mit den Berufsimkern diskutiert wurden und die Forschung weiter läuft, wissen sie immer noch nicht, wie sie wirkt. Das bedeutet, wir schütten Ameisensäure in unsere Völker und kennen die Wirkungsweise nicht.

Krisenherd Varroa
Hier macht es sich Bayer recht einfach, indem sie die Schuld auf die „veränderte Landschaft“ schiebt. Doch was hat unsere Landschaft verändert?: Die intensive landwirtschaftliche Nutzung ist erst durch den Einsatz von Pestiziden möglich geworden. Als Landwirt würde ich mich dagegen wehren, wenn ich den „schwarzen Peter“ so zugeschoben bekomme.

Bee-Care-Center
Die Zahl ist schon beeindruckend, was da in Amerika investiert wurde. Und 10 Mio. in die wissenschaftliche Forschung. Welche wissenschaftliche Forschung? Werden hier auch Forschungsgelder an die Bieneninstitute gezahlt? Werden dadurch eventuelle industriefreundliche „Empfehlungen“ ausgesprochen, nach dem Motto: „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe?“
Meine Frage nach den „Imkergeschenken“ wurde nicht beantwortet. Bedeutet das, dass hier eine enorme Summe für „Schweigegelder“ bezahlt wird, und viele Imker sich „kaufen“ lassen?
Genauso die Frage nach ökologisch sinnvoller und nachhaltiger Forschung – diese wurde gleichfalls ignoriert. Das bedeutet im Klartext: keine Interesse daran.

Australien
In Australien gibt es keine Varroa-Milbe, trotzdem den Flügel-Deformations-Virus. In Deutschland heißt es, er wird durch die Varroa-Milbe übertragen. Wie wird er dann in Australien übertragen – so ohne Varroa? Was ist hier die wahre Ursache? In Australien gibt es große Flächen mit intensiver Landwirtschaft und zum Glück auch Gebiete ohne landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Australier könne ausweichen – wir nicht. Nach meiner persönlichen Meinung hat der Virus eine andere Ursache, und hier besteht Forschungsbedarf. Die Varroa-Milbe kann nicht alleine daran Schuld sein. Hier gibt es wahrscheinlich eine Wechselwirkung zwischen Pestiziden und Virus.

Aspirin-Boykott
Hätte schon seinen Charme. Der Verweis darauf, dass Millionen Menschen Aspirin nehmen ist etwas dünn. Und Vorkehrungen sind bestimmt keine getroffen, werden sie bestimmt jetzt machen.

Feldversuch Hessen
Frei nach dem Motto: es werden nur die Passenden gezählt. Liest man die Studie genauer durch, stellt man fest: „ Die Völker in der Studie waren trotz erfolgreicher Behandlung im Folgejahr ungleichmäßig mit Milben belastet.“ Hier wird wieder die „Re-Invasion“ aus dem Hut gezogen. Diese These ist bis heute noch nicht wissenschaftlich bewiesen, wie genau bzw. ob es überhaupt eine Re-Invasion gibt.

Das Fazit der Studie
„Imker tragen eine große Verantwortung für die Gesundheit ihrer Honigbienen. Aber sie können die Varroa-Milbe unter Kontrolle bringen mit guter imkerlicher Praxis und einer einheitlichen Bekämpfungsstrategie“. Zur Gesundheit gehört jedoch in erster Linie, eine gesunde Ernährung, und die ist bei der momentanen Landwirtschaft und den Einsatz der Pestizide nur eingeschränkt möglich. Unsere Bienen leiden an Mangelernährung und an der Belastung durch die Pestizide. Der Pharmakologe und Toxikologe Prof. Eichholtz hat bereits 1956 den „Ausdruck „toxische Gesamtsituation“ geprägt: Er schreibt: „Chemische Stoffe, die gleichzeitig im lebendigen Körper vorkommen, können sich gegenseitig in der Wirkung verstärken; eine Steigerung auf das Vielfache ist beschrieben worden. Die Einzelwirkung der vielen chemische Stoffe, die in unsere Lebensmittel hinein fließen, vermehrt um die Drohung, die sich aus der Unzahl der möglichen Kombinationen ergeben, vermehrt um das, was wir an Giften mit der Atemluft und durch die Haut zu uns nehmen, vermehrt um die Strahleneinwirkung führt zu dem, das wir als toxische Gesamtsituation bezeichnen.“ Liegt hier nicht die Hauptursache? Leiden unsere Bienen nicht genau daran?

Mein Eindruck zur Veranstaltung
Es war für mich eine einzigartige Veranstaltung. Ich habe viele nette und gleichgesinnte Menschen kennengelernt. Nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall wieder fahren, und wieder eine Anfrage halten.

Annette Seehaus-Arnold


Weitere Informationen sind auf cbgnetwork.org zu finden.
Internetseite und Organisation zur Koordination gegen BAYER-Gefahren

  • Bayer Hauptversammlung 2015: Sammlung von Informationen, Bildern und Texten. Zudem sind hier Links zu zahlreichen Medienberichten aufgelistet.
  • Weitere Bilder speziell zum Protest gegen das Bienensterben.
von:schaltwerk
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